A) DER SCHMERZ
Der Schmerz ist ein Teil der Körpersensibilität (Körperempfindlichkeit) und des umfangreichen Schutzsystems des Organismus. Er ist das Warnsignal des Körpers dafür, daß eine Störung seiner Funktion vorliegt. Der Körper wird zu einer entsprechenden Schutzreaktion angeregt, die der Entstehung bzw. Ausweitung eines Schadens entgegenwirken soll.
Während akut durch Verletzungen (Gewebsschädigung) auftretende Schmerzen mit dem Abheilen wieder verschwinden, führen chronische Erkrankungen mit einer dauernden Gewebeschädigung häufig zu mehr oder weniger lang anhaltenden Dauerschmerzen. Wenn eine zunächst akute Erkrankung wegen unzulänglicher Behandlung oder wegen noch fehlender Behandlungsmöglichkeit unweigerlich chronisch wird, dann ist oft auch der chronische Schmerz zum ständigen unliebsamen Begleiter des Patienten geworden. Der Schmerz kann sogar das ganze Leben verändern und in dessen Mittelpunkt treten. Er wird dann selbst zur Krankheit.
Ein Schmerz wird laut Definition chronisch, wenn er länger als ein halbes Jahr anhält.
Ein besonderes Unterscheidungsmerkmal zu anderen Sinnesäußerungen (z.B. Geruch) ist, daß es beim Schmerz keine Möglichkeit der Gewöhnung gibt. Das hat die Natur wegen der herausragenden Bedeutung des Schmerzes nicht zugelassen. Im Gegenteil werden bei einem anhaltenden schädlichen Einfluß (Beispiel: akute Blinddarmentzündung) die vorhandenen Schmerzen immer quälender. Wenn die Natur ein so gut funktionierendes Sicherheitsystem wie den Schmerz geschaffen hat, sollte es der Mensch nicht einfach ausschalten. Er sollte vielmehr die Ursache aufzudecken und, wenn möglich, beseitigen. Gerade weil der Schmerz als Symptom ein Warnsignal ist, muß eine bloße Ausschaltung meist unweigerlich zur weiteren Schädigung des Organismus führen.
Bei Beschwerden, die Sie sich nicht erklären können, sollten Sie deshalb möglichst bald einen Arzt aufsuchen!
Trotzdem gibt es schmerzhafte Zustände, deren Ursache man heute noch nicht genügend kennt bzw. die heute noch nicht behandelbar ist. Der Körper gibt uns zwar ein Zeichen zum Handeln, wir können es aber nicht deuten. Er fordert uns auf, einen ursächlich krankhaften Zustand zu beseitigen, kann uns aber nicht sagen, um welchen es sich handelt. Um den geplagten Patienten von seiner Pein zu befreien, bleibt dem Arzt bei diesen Krankheiten leider nur ein Ausweg: Er muß das Warnsignal Schmerz abschalten, entweder bis der Organismus es allein geschafft hat, eine Heilung herbeizuführen, oder aber bis es der medizinischen Wissenschaft gelungen ist, ursächlich zu heilen.
Aber es gibt auch Schmerzzustände, die den krankhaften Zustand aufrechterhalten. Beispielsweise ist die Schmerzbeseitigung bei schmerzhaften muskulären Verspannungen eine Säule der ursächlichen Behandlung.
Copyright Dr. med. Mario Bergner, Deisenhausen