B) DIE GESELLSCHAFTLICHE BEDEUTUNG DER RÜCKENSCHMERZEN

1. Rückenschmerzen - die häufigste Ursache für Berufsunfähigkeit

Die Beschwerden im Bereich des Stütz- und Bewegungsapparates sind zu einer wahren Volkskrankheit geworden. Hervorgerufen durch einen ausgeprägten Bewegungsmangel und Fehlhaltungen bei oft sitzender Tätigkeit, klagen die Menschen in den entwickelten Industrieländern zunehmend über Schmerzen besonders im Schulter-Nacken-Bereich und im Kreuz. Die Fachleute sprechen bereits von einer "Rückenschmerz-Epidemie", bei der nicht alle ursächli-chen Faktoren völlig geklärt sind. Stellt der aufrechte Gang eine Überlastung für unsere Wirbelsäule dar oder ist der sprunghafte Anstieg der Fälle wirklich nur die Folge unserer veränderten Lebensweise? Von den durch KOHLMANN 1992 zufällig ausgewählten 8000 Personen hatten 30 Prozent Rückenschmerzen zum Zeitpunkt der Befragung. Mehr als 70 Prozent beklagten entsprechende Schmerzen im zurückliegenden Jahr und 50 Prozent der Befragten sogar mehrere Schmerzattacken in dieser Zeit. Nur 15% der Befragten gaben an, noch nie Rückenschmerzen gehabt zu haben.

2. Faktoren, die die Beschwerden beeinflussen

NACHEMSON, ein schwedischer Orthopäde und Wirbelsäulenchirurg, sagt, daß die Verschlei-ßerscheinungen an Wirbelsäule und Bandscheiben ebenso normal sind wie die Falten des Gesichtes im höheren Alter. Für nur 5 bis 20 Prozent dieser Beschwerden läßt sich auf klinischem Wege eine Er-klärung finden. Der überwiegende Teil von über 80 Prozent der Rückenschmerzen geht auf reine schmerzhafte Muskelverspannungen zurück, die wiederum durch viele Faktoren entstehen. Besonders bei den jungen Menschen sind Abnutzungserscheinungen an der Wirbelsäule selten zu finden. Eine Ausnahme bildet die im jugendlichen Alter auftretende SCHEUERMANN'sche Erkrankung, die zu ausgeprägten knöchernen Veränderungen an der Wirbelsäule führt. Die drei folgenden Verhaltensweisen führen häufig zu schmerhaften muskulären Verspannungen: 1. hohe Leistungsorientierung mit Tendenz zur Überforderung 2. starke Hilfsbereitschaft und Zurückstellung eigener Bedürfnisse

3. Vermeidung von Konflikten mit der Umwelt

Während es Kreuzschmerzen und Wirbelsäulenveränderungen zu allen Zeiten und in allen Kultu-ren gab und gibt, kann der Ausdruck des Schmerzes sehr unterschiedlich sein. WADDELL sagte 1987: "Kreuzschmerzen treten weltweit auf, Behinderungen durch Kreuzschmerzen sind dagegen eine relativ neue Epidemie westlicher Kulturen." Die Häufigkeit der Beschwerden des Stütz- und Bewegungsapparates nimmt ständig zu. In immer mehr Berufen überwiegt die sitzende Tätigkeit (in nicht optimaler Haltung). Die Fortbewegung findet überwiegend im Auto in sitzender Haltung statt.

Zurück zum Inhalt des Buches

Zurück zur homepage

Copyright Dr. med. Mario Bergner, Deisenhausen